Der Ruhetag in Genf hat mir gutgetan. Ganz ruhig war er nicht, ich war dann doch auch ein paar Kilometer in der Stadt unterwegs. Meine Erwartungen an Genf waren nicht allzu groß. Ja nett, aber Großstadt und davon bin ich kein Fan mehr. Auch nicht mehr von München.
Am Abend habe ich mich noch mit meinem lieben Neffen Peer ausgetauscht. Er macht sich heute auch auf den Weg für ca. 3 Monate von Wien nach Nizza über die Alpen. Ja, liebes Schwesterherz, du hast halt 2 Bekloppte von der Sorte in der Familie. Aber der Austausch hat mir auch wieder ein wenig Mut gemacht, dass das mit den Blasen schon wird.
Beim Frühstück, das ich hier extra zahlen muss (gönne ich mir, habe noch einige CHF-Münzen) sehe ich nur Geschäftsleute. Knallen sich die Teller mit Bacon und Würsten voll und sehen aus wie grüner Spargel. Als ich den Deckel hoch mache, um auch mal ins Paradies zu schauen, spüre ich förmlich ein Kilo mehr. Also Deckel schnell wieder runter. Kleine Semmel, ein Löffel Rührei, ist eher ein Brei, Joghurt, Kaffee und fertig.
Der Schweizer Jakobsweg endet an der Kathedrale und die Via Gebennensis beginnt genau dort. Also muss ich dort noch mal vorbei. Den Stempel habe ich mir gestern schon geholt.
Der Weg aus Genf heraus ist sehr gut beschildert. Ich folge weiter dem Schild mit der Weg-Nr. 4 und der Muschel. Zudem sind immer wieder auf dem Boden vergoldete Dreiecke mit Muschel eingearbeitet, die den Weg weisen sollen.
Auf dem Weg sind viele Straßenbauarbeiten mit viel Staub und Lärm. Ein wenig muss ich noch aushalten.
Über einen Fluss, der recht aufgewühlt ist (hat in den Bergen sicher geregnet) komme ich nach Carouge. Man könnte meinen, ein Stadtteil von Genf. Nein, es ist ein eigener Ort, vielleicht so wie Radebeul bei Dresden und ein wenig erinnert es mich auch daran.
Unterwegs gebe ich weiteres Kleingeld noch für Wasser aus. Die restlichen Münzen gebe ich einer älteren Frau, die vor dem Laden bettelt.
Nach knapp 6 km gibt mich die Stadt frei, spuckt mich regelrecht aus und ich genieße die Ruhe.
An einem kleinen Teich mache ich Pause und genieße ein Froschkonzert. So schön.
Der Weg geht erstmal weiter durch einen schönen Wald, der Schatten spendet. Immer leicht bergauf.
Nach 11 km erreiche ich die Grenze zu Frankreich. Ein kleiner Grenzbach, über den eine kleine Brücke führt. Als Grenze nur erkennbar an einer weiß-roten Barriere und „Auf Wiedersehen-“ und „Herzlich Willkommen“-Schildern.
Trotzdem für mich ein sehr bedeutender Ort. Ich habe die Schweiz somit von Nordost nach Südwest in 20 Etappen und ca. 560 km zu Fuß durchwandert.
Mein Fazit: Weg ist sehr gut beschildert, gerade auf dem Land sehr nette Leute (vielleicht etwas reserviert, in den Städten sowieso), sehr sauber und landschaftlich top. Jetzt freue ich mich auf Frankreich.
Nach der Grenze geht es weiter bergauf. Unterwegs immer ein schöner Rückblick auf Genf.
Vor Neydens kommt mir eine Frau mit 2 Pferden entgegen. Vorauslaufend sehe ich 2 Hunde auf mich zukommen. Je näher sie rankommen, umso weniger traue ich meinen Augen. Es ist nur ein Hund. Das andere ist eine Ziege und läuft mit dem Hund mit. Das habe ich auch noch nicht erlebt.
Nach ca. 15 km erreiche ich Neydens. Hier ist in einem kleinen Laden die letzte Möglichkeit, Proviant einzukaufen. Mache ich natürlich. Viel gibt es nicht. Ein bisschen Wurst und Brot, Kekse und Wasser. Die nächsten 32 km wird es keine Läden oder Kneipen geben.
Nach dem Laden geht es dann steil bergauf, das wird sich heute auch nicht mehr ändern.
Ich erreiche eine kleine schöne Kapelle und hier hole ich mir den ersten französischen Pilgerstempel.
Der Ausblick hier ist atemberaubend. Nochmal auf Genf und auf den See und über das Rhone-Tal. Der Ausblick entschädigt für alles.
Nach 20 km erreiche ich Beaumont, ein kleines Dorf am Berghang.
Ich besuche noch die Kirche, bevor ich meine Unterkunft aufsuche.
Diese ist schnell gefunden. Eine alte Käserei mit einem Schlafsaal. Nachdem ich der erste bin, sichere ich mir meinen Platz unter dem Dachboden.
Heute sollen noch 2 weitere Familien auch mit Kindern kommen.
Ich lerne Anne, die Vermieterin, kennen. Sie ist eigentlich Norwegerin. Die Liebe hat sie hierhergezogen, sie hat auch einige Jahre in München (Unterföhring) gelebt. Eine Tochter lebt in Ottobrunn.
Unter der Dusche erkläre ich den 01.06. zum gesetzlichen Feiertag. Die Blase am linken Fuß ist geplatzt. Klasse.
Zwischenzeitlich sind die 2 Familien gekommen, nette Leute aus Andechs. Ursprünglich Brandenburger und wir verstehen uns sofort gut.
Heute wird Anna Essen zubereiten. Morgen geht’s dann wieder auf eine längere Etappe.

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